Demokratie 2.0

Ich hab ja letztens über Parteien, Koalitionen und Fraktionszwang gelästert, aber keine richtige Alternative gefunden (ich weiß immer noch nicht, was ich wählen soll) und bleibe die Antwort schuldig, was denn nun besser sei. Der Gedanke, mich selbst als unabhängiger Kandidat für den Bundestag zu bewerben ist zwar interessant, ändert aber eigentlich gar nichts, denn die Macht, Dinge zu ändern, bliebe bei den großen Parteien, die mit ihren Zweitstimmen auf jeden Fall mal die Hälfte der Abgeordneten stellen.

Ein völlig unpolitisches Thema hat mich jetzt wieder sensibilisiert, wie schlecht die deutsche Politik auf den Gesellschaftswandel eingestellt ist: FarmVille. Ein ganz simples Flash-Spiel wie es tausende im Netz gibt, aber dieses nutzt die viralen Effekte von Facebook extrem gut aus. Da hat jemand verstanden, wie Communities funktionieren, und ich hab zwar keine Zahlen aber würde meinen Arsch drauf verwetten, dass die Hersteller von FarmVille jetzt reich sind.

Offensichtlich ist die politische Klasse in Deutschland ziemlich unbeleckt, was Netzkommunikation und Netzwerkeffekte angeht. Klar, da twittert mal einer und FW Steinmeier hat nen Facebook Account. Aber irgendwie ist das alles nur biederes Marketing, keiner nutzt es wirklich aus. Ein Dialog, eine echte Beteiligung der Netze findet nicht statt.

Also habe ich mich mal ein bisschen schlau gemacht, wie denn eine modernere Demokratie funktionieren könnte. Es gibt jede Menge Information über „Demokratie 2.0“ oder „E-Demokratie“ im Netz, aber den Knallervorschlag, echte Vorschläge habe ich nicht gefunden. Nicht mal die gerühmten Piraten haben da was im Programm. Bei den Grünen steht immerhin „Wir wollen E-Demokratie“, aber das ist so versteckt und kurz, dass man nicht erkennen kann, ob das im offiziellen Programm ist. Kann man dem vertrauen?

Alle vier Jahre zwei Stimmen abgeben, bei denen man nicht mal weiß, was später damit entschieden werden wird (weil das Wahlprogramm dem Koalitionsvertrag weicht), ist irgendwie nicht mehr zeitgemäß, aber wie kann man Bürger besser einbeziehen? Bei jeder Entscheidung einen Volksentscheid durchzuführen ist vielleicht unpraktikabel, deshalb ist das Delegieren von Abgeordneten ja gar nicht schlecht. Aber prinzipiell wäre es doch toll, wenn man bei jeder Entscheidung

  • selbst entscheiden könnte, ob man selbst abstimmen oder delegieren will
  • seinen Abgeordneten jederzeit wechseln könnte
  • eine Dauer-Delegation einrichten könnte (vier Jahre auf eine Person bildet das heutige System fast ab)

Und dann hat jeder Abgeordnete eben so viel Gewicht, wie Leute ihn delegiert haben. Damals, als Wahlen noch auf Zetteln und Wahlmänner per Kutsche durch unwegsame Lande fahren mussten, was das nicht denkbar, aber achtung: heute gibt es digitale Netze, und ein flexibleres System ist durchaus möglich!

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Qual der Wahl – Parteiensystem am Ende

Ich würde Wale niemals frittieren (wobei die ja ihr eigenes Fett mitbringen). Da belasse ich es doch bei Truthähnen. Aber vor der kommenden Bundestagswahl fangen meine grauen Zellen schon mal an zu brutzeln: wem soll ich nur meine Stimme geben? Bisher habe ich immer versucht, das geringere Übel zu wählen. Manchmal war ich sogar schon davon überzeugt, die richtigen zu wählen. Aber jetzt gibt es die einfach nicht mehr. Mehr noch: ich habe komplett das Vertrauen in die Parteien verloren. Ich bin nicht politikverdrossen, beileibe nicht, es interessiert mich sehr, was beschlossen wird, und ich würde mich sehr freuen, wenn einiges anders beschlossen werden würde.

Aber wie soll man überhaupt Parteien vertrauen? Die schreiben ein Wahlprogramm, dann schließen sie einen Koalitionsvertrag, dann gibt es Fraktionszwang und Koalitionsvereinbarungen und letztlich beschließen ganz wenige Abgeordnete, wie die gesamte Koalition abzustimmen hat. Und die meisten halten sich daran, klar, sonst würde das ja nicht funktionieren. Wie war das noch, „an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen“ wie es im Grundgesetz Artikel 38 steht? Pustekuchen, sag ich. Verbieten sollte man Fraktionszwang, und Koalitionen insbesondere!

Jetzt kommen die Piraten und versprechen Heilsbringer in der verkorksten Politikwelt zu sein. Zumindest versprechen sich das viele ihrer Anhänger. Ich finde, die Piratenpartei ist im Moment noch nicht reif, gewählt zu werden, wenn sie sich Dinger wie Jörg Tauss und Bodo Thiesen leistet. Geht nicht, bringe ich nicht über’s Herz. Wenn andere damit zufrieden sind, wie die Partei damit umgeht — bitte. Not me.

Das Problem ist nur: sobald die Piraten „erwachsen“ genug sind, um solche Probleme schneller und „professioneller“ in die Griff zu kriegen, sind sie „etabliert“… und wie jede andere Partei auch. Die können jetzt so cool sein wie sie wollen. Die Grünen waren das auch mal. Letztendlich wird auch hier der Fraktionszwang und die Käuflichkeit der Entscheider durch Lobbyisten kommen.

Ja wie denn dann? Direktmandate machen leider nur die Hälfte des Bundestages aus, sonst würde ich ja sagen, dass es in jedem Wahlkreis ganz viele unabhängige, parteilose Kandidaten geben sollte. Die graben den Parteikandidaten so lange Stimmen ab, bis einer von ihnen den Wahlkreis gewinnt. Ich hab mal Wikipedia bemüht, und anscheinend ist Konrad Dippel der einzige parteilose Direktkandidat, der überhaupt mal einen nennenswerten Stimmanteil bekommen hat. Der gute Mann aus dem Wahlkreis Weiden hat bei der letzten Bundestagswahl 13,6% der Stimmen bekommen. Respekt, aber wirkungslos, leider. Alle anderen parteilosen Direktkandidaten haben so um die 1% bekommen. Ab 1% gibt es ja immerhin eine Wahlkampfkostenrückerstattung — für parteilose Kandidaten 2,05€, für welche mit Partei 2,80€. Wie gerecht!

Naja, es spielt keine Rolle eigentlich, die Wähler wollen ihr Kreuz glaube ich lieber bei einem Namen machen, wo eine Partei dran steht, als bei einem Unabhängigen. Und bis man mit viralem Netz-Marketing ein Direktmandat gewinnen kann, muss man wie der Dippel tausende von Euro für Zeitungswerbung ausgeben. Und das können halt nicht alle.

Attraktiv finde ich das dänische System, in dem es seit Jahren Minderheitsregierungen gibt. Die stärkste Fraktion stellt den Regierungschef, und der muss sich für jede Sache, die er durchsetzen will, eine Mehrheit suchen. Regieren mit wechselnden Mehrheiten, ein Modell für Deutschland? Da müsste schon viel passieren, bis das möglich ist. Ich sag nur: Simonis. Ich sag mal lieber nicht: Ypsilanti.

Vielleicht sollte ich doch mal kandidieren. Immer nur meckern hilft ja nicht. Meine Frau meint, ich renn da doch nur gegen die Wand wie die vielen anderen unabhängigen Kandidaten und bekomme für meine viele Zeit, Energie und das viele Geld auch nur ein paar Zehntel Prozent der Stimmen, kann behaupten „Ich hab’s versucht“ und sonst nix. Wahrscheinlich hat sie recht. Aber noch wahrscheinlicher ist, dass ich die Stimmen nur der Monika Griefahn klaue und dafür dann der CDU Fritze das Direktmandat gewinnt, und das will ich nun wirklich nicht.

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schlechte Songtexte

Ich habe einen neuen Song geschrieben. Die Musik gefällt mir super, und die Kapelle macht ganz großartige Sachen damit. Ich glaub, da kann was feines draus werden. Leider ist der Text ziemlich schwach:

Strophe:
Der Tag hat schon nicht so gut angefangen
mein Schädel brummt vom komischen Wein
Was heute kommt kann gar nicht so wichtig sein
ich lieg im Bett, und ich bin nicht allein

Bridge:
Wo kommt nur dieses Gesicht her
ich hab sie schon mal gesehen
wenn ich heut abend nach hause komm
werd ich versuchen, den gestrigen Tag zu verstehen

Strophe:
Vielleicht sollte ich nochmal in mich geh’n
was diesen Abend in der Kneipe betrifft
kann mir mal einer in Ruhe erklären
wie man so einen Absturz umschifft

Bridge:
Es könnt ja auch mal ganz ruhig sein
ganz entspannt an der Bar
ich seh mich morgen schon wieder dort
wo ich gestern den ganzen Abend schon war

Ref:
Oooh, nie wieder Alkohol singen andere,
ich hätt gern ein bisschen mehr
Plan, wo diese Reise hingeht ich hab mich
an der letzten Kreuzung verfahren

Bridge:
Wo kommt nur dieses Gesicht her (und will sie etwa mehr?)
ich hab Dich schon mal gesehen (wann wird sie endlich geh’n)
wenn ich heut abend nach hause komm
werd ich versuchen, den gestrigen Tag zu verstehen

Ich glaub ich weiß auch schon, warum der Text so schlecht ist: er ist entstanden, so wie ich früher schon für meine Hard Rock Kapelle geschrieben hab: eine Zeile, oder vielleicht ein Reim fällt einem ein, und darauf aufbauend strickt man den gesamten Rest. Ich habe auf diese Weise noch nie einen guten Text geschrieben.

Lieber würde ich Texte so schreiben, dass ich mir erst ein Thema und eine Aussage ausdenke, dann den Ablauf strukturiere, dann Schlüsselwörter sammle und erst dann die Wörter zu Worten forme und in Reimform bringe. Das ist aber deutlich schwieriger. Nicht nur, weil man dafür ja ernsthaft Ideen haben müsste (hab ich, glaub ich, ein paar), sondern weil das Ausarbeiten nicht nur wirklich Arbeit, sondern auch schwierige Handwerkskunst ist.

Vielleicht fällt ja jemandem was gefälligeres als dieser Text ein, was irgendwie auf das gleiche Schema passt. Wir könnten auch eine Karaoke-Version von dem Song aufnehmen und prämieren dann den besten Text?

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Bandnamen

Holger übt seine Schreibkunst anhand der Bands, die beim diesjährigen Dockville mitspielen — bzw. deren Namen. Ganz gelungen, wie ich finde, jedoch schockierend, was es alles für Bandnamen gibt. Fickscheiße zum Beispiel. Ich meine, ich weiß zwar, wie schwierig es ist, einen guten Bandnamen zu finden, hab es selbst gerade mal wieder hinter mir, aber man sollte schon wissen, was man aussortieren muss und was nicht.

Meine Band heißt jetzt Horst Blank. Der ursprüngliche Name war Isolation as Companion, super gruftig, aber viel zu lang, und daher bald abgekürzt als Isolation. Jetzt ist aber unser Trommler in die USA ausgewandert, Rückkehr unsicher. Mit neuem Trommler und neuem Gitarristen sind wir nun gar nicht mehr gruftig, sondern nur noch rockig, daher brauchten wir einen neuen Namen. Mir gefällt „Horst Blank“ ganz gut, meiner Frau überhaupt nicht. Dabei kann man um Horst Blank so wunderschöne Legenden stricken, so wie um Gobi Todic!

Aber damit andere Bands nicht so schreckliche Namen haben müsssen wie die armen „Fickscheisse“, hier mal unsere Liste von Bandnamen, die es leider nciht geworden sind. Zur freien Verfügung. Wir freuen uns natürlich, wenn die Bands erwähnen, dass die Namen vom berüchtigten Bandnamenausdenker Horst Blank stammen, aber PayPal Spenden nehmen wir auch:

  • Pubkameraden (da hab ich sogar die .de-Domain, falls jemand möchte…)
  • Pub’n’Hymer
  • Töne machen Leute
  • Horst
  • Blank (gibts auch leider schon ein paar mal, aber alles keine Profis)
  • Blannk
  • Ernie und Band
  • Hörbar
  • Klangfinger
  • Flughasen
  • Gebrüder Gniedel
  • Sonntag
  • Hubschrauber
  • Steiler
  • Awanst Ericus
  • Closer (so heisst die Joy Division, wo Isolation drauf ist)
  • Still
  • Colorblind
  • Katapult
  • Katerpult
  • KönnenUnsAufKeinenNamenEinigen (KUAKNE, Kuh Akne???)
  • The Recommendations
  • Labertaschen

Da war noch einiges mehr, in der Qualität aber stark schwankend. Bei Bedarf hau ich noch ein paar mehr raus.

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Rasenmäh-Gedanken 1 (2009)

Heute habe ich das erste mal in diesem Jahr den Rasen gemäht. Hatte keine Lust auf stressige Musik dabei, und entspannte Musik kommt gegen meinen Rasenmäher nicht an, also hab ich einfach Ohrenstöpsel (1€ original AC/DC-Ohrenstöpsel!) reingetan und gut. Dabei kann man auch immer gut nachdenken, fast wie beim Laufen. Und irgendwie bin ich heute auf das Thema gekommen, welches mir in den letzten Wochen öfter mal durch den Kopf ging: eigentlich ist mein Leben total geil, und trotzdem finde ich es irgendwie doof, wenn Leute in regelmäßigen Abständen „life is  great!“ oder „life is good!“ twittern oder bloggen.

Klar, mein Leben ist auch größtenteils wunderbar. Wenn ich heute sterben würde, ich könnte nicht behaupten, es sei zu früh (auch wenn 34 Jahre nicht viel sind), weil ich ein außerordentlich ausgefülltes und reiches Leben hatte. Nicht nur materiell reich (das auch, zumindest sitze ich gerade in einem coolen Haus auf 1000qm Grundstück (mit  frisch gemähtem Rasen) und tippe diesen Text in ein ehemals 2500€ teures PowerBook), sondern auch reich an Erfahrungen, reich an Emotionen, reich an Abwechslung, Herausforderung, Ruhe, und vor allem Liebe. Ich habe eine grandiose Frau und zwei tolle Töchter. Es erfüllt mich mit unglaublichem Glück zu beobachten, wie sie sich entwickeln („Sag Papa!“, -java.lang.UnsupportedOperationException-, „Sag Papa!“, „Papa“!), wie gesund und glücklich sie aufwachsen.

Aber „life is great“ Twittern impliziert ja, dass es für alle Leute, oder immer toll ist, oder? Und das ist definitiv nicht der Fall. Oder ist gemeint, dass das Leben an sich, also dass es das Leben gibt und nicht alles tot ist, großartig ist? Das mag ja der Fall sein, aber muss man das ständig betonen? Und wieso hab ich damit überhaupt ein Problem, wo mein Leben doch so toll ist?

Ich finde, man muss nicht „life is great“ schreiben. Man kann, verwerflich ist es sicher nicht. Ich fänd aber eine Formulierung wie „my life is great!“ oder „just now life is great“ oder „what a great day“ besser.

Bleibt noch eine Frage offen: warum hab ich heute, Anfang April, eigentlich schon Rasen gemäht? Der Rasen sah echt schlimm aus, hatte den letzten Schnitt im Herbst verpasst, Laub geharkt hatte ich auch zu wenig. Jetzt sieht der Rasen, wie Mareile treffend bemerkte, aus wie ein Fußballfeld. Und jetzt konzentriere ich mich auch lieber auf das (im übrigen sehr gute!) Fußballspiel HSV gegen Manchester City! Auf auf, Hamburg! Ein guter Tag zum Siegen!

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Google Analytics ist böse!

…zumindest in Deutschland nicht legal einsetzbar. Ein Marketing-Freelancer meiner Firma hat den Hinweis, den ich von einem Freund bekommen hatte, sehr ernst genommen, unsere Rechtsanwältin hat’s geprüft, und nun fliegt Google Analytics raus. Schade eigentlich, ich fand die Grafiken immer ganz hübsch. Aber dann muss man sich halt nach Alternativen umsehen. Hat ja nicht jeder ein CoreMedia System mit integriertem CoreMedia Analytics. Kennt sich z.B. jemand mit Piwik aus? Und wenn ja: gibt es einen Piwik Betreiber in Deutschland? Ich will den Kram für meine Privaten Seiten ja nicht selbst hosten…

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Frühlingslied

Ich habe gestern angefangen, ein fröhliches Frühlingslied zu schreiben, aber besonders glücklich bin ich damit noch nicht:

Pfauenaugen flattern um uns herum
zum Glück sind’s keine Augen von Pfauen
auf einer Wiese, Pappeln rauschen wie Meer
haben wir uns einfach ne Weile hingehauen

Und ich sag noch zu Dir: die Welt ist
rund, komm mal näher zu mir, ich küss Deinen
Mund und lass die Augen auf

Frühling Schmetterling
ist mir ganz egal solang die Sonne scheint
und uns die Liebe vereint
Autumn back to summer, spring!
when the sun is shining bright
and all the flowers enjoy the light

Wobei das erste eine Strophe, das zweite die Bridge und das dritte ein Refrain sein soll. Ist noch nicht so der Knaller, aber ein Anfang. Und passt zu den lustigen Tierchen, über die ich vorgestern schon getwittert habe:

Bei uns im Garten, seit vorgestern mit verstärktem Vorkommen. Zitronenfalter lassen sich auch schon sehen.

Bei uns im Garten, seit vorgestern mit verstärktem Vorkommen. Zitronenfalter lassen sich auch schon sehen.

Ansonsten steht heute das Vertikutieren des Rasens auf dem Programm. Dabei fällt mir bestimmt ein guter Death Metal Song ein (MMMMMMMMMMMMMMMMH).

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